Tagung - WELTKULTURERBE-
mit Prof. KIESOW
Am 1. August 2011 reichten die Plätze im Humboldthaus nicht aus beim Vortrag von Prof. Gottfried Kiesow zum Thema „Welterbe-Titel für Görlitz“ – an den Wänden reihten sich weitere begeisterte Görlitzer, denen sowohl am Welterbetitel als auch an den Worten des ehemaligen Vorsitzenden der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gelegen war. Der lang anhaltende Beifall galt dem Görlitzer Ehrenbürger (und Mitglied des Aktionskreises!) besonders bei seinen Worten „Ich wohne zwar in Wiesbaden, aber mein Zuhause ist Görlitz.“
Kann es ein größeres Kompliment geben von einem Mann, der genügend erlesene Denkmale in Deutschland gesehen, erlebt und ungezählten Menschen vorgestellt hat und dabei Görlitz seinen Zuhörern als „schönste Stadt Deutschlands“ ans Herz zu legen pflegt?
Für ihn sei Görlitz längst Weltkulturerbe, nun müsse man sich bemühen, auf die Liste derer zu kommen, die auch den Titel trügen. So eilten denn die Zuhörer zu den Tischen, auf denen der einladende Verein „Haus und Grund“ Unterschriftslisten bereit hielt.
Ein “Weltkulturerbe“-Titelträger muss ein „Alleinstellungsmerkmal“ aufweisen. Historische „Altstädte“ gibt es laut Prof. Kiesow in Deutschland genügend – sie wurden an diesem Abend repräsentiert durch Frau Dr. Laible, die aus der Weltkulturerbestadt Bamberg über praktische Erfahrungen aus dem Alltag einer solchen Stadt berichtete.
Dank der Tatsache, dass Görlitz im Krieg nicht zerstört wurde – und dank der Hilfe, die es u.a. von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und von jenem mysteriösen Spender (oder Spenderin?) der bisher 17ten „Altstadtmillionen“ erfahren hat – weist die Stadt ein außergewöhnlich weitläufiges geschlossenes Ensemble von größtenteils vorbildlich sanierten Architekturdenkmalen aus Gotik, Renaisssance, Barock, Historismus und Jugendstil auf. Es war im Mittelalter eine typische Kaufmannsstadt besonders der Tuchhändler und war Inhaber des Waidmonopols in der Region – wie die ungewöhnliche Zahl prächtiger Hallenhäuser und das Waidhaus belegen. Die Häuser der „Zeile“ auf dem Untermarkt legen mit ihrem Mittelgang den Gedanken nahe, dass es hier ein Pendant zu den Krakauer Tuchhallen gab. An die Krakauer Barbakane erinnert auch der Görlitzer Kaisertrutz als Vorbastion vor dem Reichenbacher Tor.
Dass der CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Kretschmer, der die Veranstaltung moderierte, ein Görlitzliebhaber ist, versteht sich von selbst. Der Sächsische Innenminister Markus Ulbig erläuterte die Prozedur der Bewerbung in Sachsen; er äußerte sich ebenfalls begeistert über Görlitz – fairerweise muss er aber auch etlichen sächsischen Mitberwerbern um den begehrten Titel eine Chance einräumen!
Nun muss man sich eine Weile gedulden, ob Görlitz auf die sogenannte „Tentativliste“ gelangt, die bei der UNESCO eingereicht wird, und es wird weitere Zeit vergehen, bis Görlitz möglicherweise auch offiziell „Weltkulturerbe“ werden wird.
Zitieren wir zum Schluss noch einmal Prof. Kiesow: „Diese Stadt i s t Weltkulurerbe“ – und für uns Görlitzer ist sie es doch auch schon – oder?
Brigitte und Manfred Otterpohl