Ist die Passage Berliner-/Salomonstraße ein Streit-Thema ?
Erkenntnisse aus einer Podiumsdiskussion am 15.Februar 2012 zum Thema
„Impulse für die Görlitzer Innenstadt - Brauchen wir eine Ladenpassage?“.

Eingeladen hatte vom Bündnis 90 / Die Grünen Herr Stephan Kühn (MdB), der auch als Moderator der Veranstaltung
im Schlesischen Museum fungierte. Podiumsmitglieder waren Stadtrat Gottfried Semmling, Manfred Bräuer (Experte für Städtebaulichen Denkmalschutz im Bundesbauministerium und MdB), Prof. Dr.-Ing. Jürg Sulzer
(Leiter des Kompetenz-zentrums Revitalisierender Städtebau in Görlitz) sowie die Architekten Wolfgang Kück und Hagen Aye.

Am Anfang eines so bedeutenden Vorhabens gibt es viele Fragen und noch mehr Meinungen: Wer ist dafür? Wer ist grundsätzlich dagegen - weil genügend Leerstand, weil auf Kosten des Kaufhauses? Wer ist für eine Modifizierung des Vorschlags des Investors?

Der Stadtrat hat einstimmig für eine Modifizierung gestimmt: nicht "Beton, Glas und Stahl", sondern "ein Einkaufszentrum mit Parkhaus unter größtmöglicher Berücksichtigung erhaltenswerter Bausubstanz, besonders der Denkmäler".

Es gab viel Lob für den Stadtrat (stellvertretend für die beiden anwesenden Stadträte unterschiedlicher Parteien) vom Podium und auch von Stimmen aus dem Publikum für die einstimmige Entscheidung für diesen modifizierten Antrag.

Von einem kategorischen "Nein" gegen eine Passage (deren Bau ja Sanierung des Problem-Areals bedeutet) wurde abgeraten (Prof. Sulzer), aber ebenso von einem bedingungslosen Eingehen auf die Vorschläge des Investors. Es wurde sogar in Frage gestellt, ob dieser der richtige für Görlitz sei. Aber Baurecht und Flächennutzungsplan bieten genügend Spielraum für Vorbehalte und Forderungen.

Dem von "oben" gewünschten Eilverfahren ist die Forderung des Stadtrates nach Einsetzung eines Gestaltungsbeirats entgegenzusetzen, möglichst mit erfahrenen Auswärtigen besetzt (zwecks größerer Unabhängigkeit). Zu bevorzugen wäre bei so gewichtiger Gestaltung dieses großen Areals ein Architek-tenwettbewerb. Schließlich hängt mit der Gestaltung des "Quartiers" einmal der Weltkulturerbe-Titel zusammen, zum anderen die Frage, ob von diesem Teil der Berliner Straße ein belebender Impuls auf die gegenüberliegende Seite der Berliner Straße und in die Stadt hinein bis zum Kaufhaus ausgehen kann.

Die Kaufkraft der Görlitzer ist nicht beliebig vermehrbar! Um abgehende Kaufkraft zurück- und neue in die Stadt zu holen (Umland, Nachbarn, Touristen), braucht Görlitz eine Passage der besonderen Art!

Wer bestimmt den "Branchenmix"? Wodurch kann ein qualitativ gehobenes Angebot erreicht werden?

Der Stadtrat soll sich "einmischen", wo es geht. Und um Informationen durch die Verwaltung ersuchen!

Brigitte Otterpohl


Zur selben Veranstaltung ein weiterer Kommentar:

Der Aktionskreis für Görlitz bedankt sich bei den Bündnisgrünen für die Podiumsdiskussion „Impulse für die Innenstadt“ am 15.Februar 2012. Die Besetzung mit den Herren Gottfried Semmling, Michael Bräuer (Experte für Städtebaulichen Denkmalschutz im Bundesbauministerium und MdB), Prof. Dr.-Ing. Jürg Sulzer (Leiter des Kompetenzzentrums Revitalisierender Städtebau in Görlitz), den Architekten Wolf-gang Kück und Hagen Aye sowie Stephan Kühn (MdB) als Moderator. Die unterschiedlichen Beiträge ergaben einen verständliches Bild.

Erfreulich das Bekenntnis zur Innenstadt und Einsehen der Fehler, nach der politischen Wende einseitig auf die „grüne Wiese“ gesetzt zu haben. Damals hat man es kategorisch abgelehnt, die Innenstadt wie-der zu besiedeln. Darüber hinaus hat man auch Kleingewerbe, welches eigentlich besonders kunden-bezogen sein sollte, in Gewerbegebiete gelockt. Nichts gegen Gewerbegebiete, vieles davon ist bis jetzt eher beleuchtbare Schafweide.

Vergessen wir nicht, dass die Infrastrukturen der Innenstadt zwanzig Jahre lang verwahrlosten. Erst seit einiger Zeit wird unsere Hauptgeschäftsstraße, die Berliner in einen menschenwürdigen Zustand ver-setzt. Mit Salomonstraße und Jakobstraße ist es ebenso. Erste wirtschaftliche Belebungen sind bereits sichtbar. Es wird aber dauern, bis sich der Branchenmix strukturiert hat.

Görlitz hat das Problem, das seine Kaufkraft in andere Städte abfließt. Der Schaden ist immens. Auch wenn die Kaufkraft unterdurchschnittlich ist, sie muss in der Stadt bleiben, die davon lebt. Görlitz hat eine Menge guter Kaufleute mit guten Angeboten. Es braucht aber auch eine Verstärkung des mittleren Preissegmentes in Bezug auf ein breites und tiefes Sortiment. Keine zusätzliche Konkurrenz im Bereich des Vorhandenen. Das beseitigt Leerstand, macht das Angebot wahrnehmbar.

Hier liegt auch die Chance des Kaufhauses, was bei den Überlegungen immer eine Rolle spielen muss.

Heinz-R. Conti-Windemuth




Sehr geehrte Fraktionsvorsitzende des Stadtrates der Großen Kreisstadt Görlitz!

Als Resultat einer öffentlichen Abschlussdiskussion des Aktionskreises für Görlitz e.V. am 1. Februar im GründerzeitQuartiersZentrum traten die Teilnehmer dafür ein, zügig die Beauftragung eines Gestaltungsbeirats für die geplante Einkaufspassage Berlinerstraße / Salomonstraße zu erwirken.
Deshalb wenden wir uns an Sie als unsere Stadtverordneten mit der Bitte beziehungsweise dem Auftrag, den notwendigen Beschlussantrag einzubringen.

Begründung:
Nach Wochen vielfältiger engagierter Beiträge aus der Öffentlichkeit und in politischen Gremien zu dem Bauvorhaben einer Ladenpassage in oben genanntem Gründerzeitquartier ist es aus der Sicht des Aktionskreises für Görlitz Zeit, Konsequenzen zu ziehen, die Resultate aus Führungen, Vorträgen, Diskussionsrunden und Leserbriefen zu bündeln und eine externe, unabhängige und fachkundige Begleitung sicher zu stellen, insbesondere die bisher von Seiten engagierter Bürger immer wieder eingemahnte Prämisse, das besondere stadtgeschichtliche und städtebauliche Profil unserer Stadt nicht zu beschädigen und Lösungen für das Vorhaben des Investors und die kulturhistorischen Ansprüche und wirtschaftlichen Gegebenheiten unserer Stadt zu finden.

Joachim Rudolph (1. Februar 2012)