WER KAUFT WAS WANN WO IN GÖRLITZ?

Was ist los in Görlitz? fragt sich mancher, der aus Görlitz weggezogen ist, aber in Treue an seiner Heimatstadt hängt; was ist los in Görlitz? fragt sich mancher, der [noch] nicht in Görlitz wohnt, aber neugierig auf die schöne Stadt ist, wenn er Nachrichten aus Görlitz mitbekommt.

Stimmt es, dass ein(e) Unbekannte(r) jährlich 511000,00 € an die Stadt überweist? Ja. Stimmt es, dass ein Mann aus Weimar (ehemals aus Bonn) 30 Millionen € nach Görlitz bringen will? Ja. Aber: Der Unterschied zwischen einem Spender und einem Investor ist, dass ersterer etwas schenkt, letzterer aber davon profitieren will!

Also, wahr ist, dass ein Investor auf einem großen, vorwiegend dringender Sanierung bedürftigen Areal in der Nähe von Hauptbahnhof und zukünftigem Landratsamt zwischen Berliner Straße und Salomonstraße eine Ladenpassage / ein Einkaufszentrum mit Parkhaus errichten will, um es anschließend an einen Betreiber zu verkaufen.

Die Nachricht platzte über die Sächsische Zeitung zu Beginn der Adventszeit 2011 über das überraschte Görlitz hernieder - nur die Verwaltung und der Technische Ausschuss waren informiert. Und gleich zur Ankündigung der Zeitung gab es eine Aussage, dass 13 denkmalgeschützte Häuser in der Berliner Straße bzw. der Salomonstraße abgerissen werden sollten, und eine - ausschnitthafte - Planskizze zeigte, was statt dessen kommen sollte: "ansehnliche Architektur" aus Glas und Stahl und Beton. -

Ein Aufschrei ging durch Görlitz - nicht bei allen; zu verführerisch war ja auch die Aussicht auf Sanierung des Viertels; selbst im Aktionskreis gingen die Meinungen auseinander! Aber es mehrten sich öffentliche und private Proteste: per Leserbrief, per Kontaktaufnahme "friedlicher Bürger" mit Stadträten, Verwaltung, hochrangigen Görlitzern (der Denkmalschutz indessen war zum Schweigen verurteilt). So schnell ging es nun doch nicht mit Planung und Bau! Immerhin: der Investor lenkte ein, versprach in einer neuen Planskizze "historisierende Fassaden" - aber nun waren die Bürger aufgewacht: nicht mit uns, nicht wenn man gleichzeitig einen Antrag auf den Erwerb des Weltkulturerbe-Titels stellt! Stadträte, waltet Eures Amtes! Die Damen und Herren bekamen nun endlich Einsicht in die Pläne - und bewilligten in der Stadtratssitzung vom 26. Januar 2012 einstimmig einen Änderungsantrag: "Errichtung einer Ladenpassage mit Parkhaus" - aber mit dem Zusatz: "unter größtmöglicher Berücksichtigung erhaltenswerter B ausubstanz, besonders der Denkmäler". Der Investor erklärte sich einverstanden!?!

Die Planung hat begonnen, aber noch immer gibt es Treffen von Parteien und Bürgern. "Brauchen wir denn überhaupt eine Ladenpassage?" Wir haben doch das seit 2 1/2 Jahren leer stehende Jugendstilkaufhaus. Und viele leer stehende Läden. Braucht denn jeder Händler riesige moderne Verkaufsflächen? Und welche Händler kommen denn? Und welche wollen oder brauchen wir? Ein Gutachten soll den Bedarf errechnet haben - und heute, am 17.2., wird es als "vorläufig" bezeichnet.

Verwirrung allerorten. Wie wird sich der Investor verhalten: Hat er gar Feuer gefangen und möchte selbst - statt der bei ihm üblichen 08/15-Passagen - etwas zu Görlitz Passendes erstellen? Möchte auch er inzwischen das "ganz Besondere", ein unverwechselbares "Center", auf Görlitz zugeschnitten, oder sagt er irgendwann ab, weil es - wie der Rheinländer im Interview grundsätzlich äußerte - sich "nisch reschnet"?!?

Sie alle dürfen mit uns gespannt sein, wie es weitergeht. Und wenn Sie der Meinung sind, dass man - schon um der Sanierung willen - eine Passage à la Görlitz bauen, aber als nächsten Schritt zur Belebung der Stadt "irgendetwas" mit dem Kaufhaus anstellen sollte (leider muss es erst noch jemand für Millionen den englischen Besitzern abkaufen!), dann unterstützen Sie die beim Aktionskreis für Görlitz angesiedelte "Bürgerinitiative Görlitzer Kaufhaus e.V.", die sich einbringt, indem sie zunächst eine Nutzwertanalyse finanziert und mit Vorträgen, Diskussionen und Veranstaltungen "Öffentlichkeitsarbeit" betreibt. Wir sind dankbar für jede Einzelspende in beliebiger Höhe und erst recht für eine Mitgliedschaft, die man für einen Jahresbeitrag von 60 € pro Person erwerben kann. (Konto 8217077 bei der Deutschen Bank, BLZ 87070024; Aufnahmeantrag bestellen beim Aktionskreis für Görlitz, Klosterplatz 10 in 02826 Görlitz).

Nicht zuletzt wären wir Ihnen für Stellungnahmen, Fragen und Ideen - für "Briefe an Görlitz" - sehr verbunden.

Brigitte Otterpohl


 

Wir gedenken der bis 1945 Verstorbenen auf dem Friedhof in Moys

Am 12.Oktober 2011 fand auf dem früheren deutschen Friedhof in Görlitz - Moys  die Einweihung eines Gedenkortes für die bis 1945 beigesetzten Verstorbenen statt.
Dieser Gedenkort wurde im Rahmen eines Partnerschaftsprojektes zwischen der polnischen katholischen Pfarrgemeinde von Moys/Zgorzelec und dem Görlitzer Aktionskreis geschaffen.

Görlitzer Bläser eröffneten die Feierstunde auf dem Friedhof mit zahlreichen Gästen. Man konnte nicht erkennen: waren es Polen oder Deutsche, die da nebeneinander standen, die aber eines einte: Brücken zu bauen an einer denkwürdigen Stätte im gemeinsamen Respekt vor den Toten.

Ehrengäste waren die Oberbürgermeister beider Städte, mehrere kirchliche Würdenträger von diesseits und jenseits der Neisse und einige Schulklassen aus beiden Teilen der Europastadt. Der Ortspfarrer Lewandowski begrüßte alle und erzählte vom Entstehen des Gedenkortes.

Joachim Rudolph sprach im Anschluss ein Grußwort im Namen des Aktionskreises für Görlitz.

Gedenktafel Friedhof Görlitz-Moys    Gedenken an die bis 1945 Verstorbenen auf dem Friedhof Görlitz-Moys
Bilder: Karl-Heinz Kammler

Im Verlauf der Feierstunde berührte alle Anwesenden besonders tief die Einladung der beiden Organisatoren Lewandowski und Rudolph, eine Kerze zu nehmen und sie hinzubringen an die Gedenktafeln und die einzelnen Grabmäler. In diesem Symbol des Lichtes wurde sichtbar: es gibt eine innige Verbindung zwischen den Lebenden und den Verstorbenen. Mit der Weihe des Gedenkortes durch den anwesenden polnischen Bischof und dem germeinsamen Beten des "Vater unser" in beiden Sprachen endete die Feier.

Mit diesem Gedenkort ist in guter Weise Erinnerung möglich und zwischen den beiden Ländern und Städten vollzieht sich das, was wir uns für Europa wünschen: zusammen zu wachsen und Brücken zu bauen. Zugleich ist es für die noch in Görlitz lebenden Angehörigen ein eindrucksvolles Zeichen des Respektes und der Achtung vor den Toten vor 1945.

Joachim Rudolph


 

Bürgerforum zum Gedenken an das erste Friedensgebet 1989

Am 6. Oktober 2011 luden die Fraktionen des Stadtrates anlässlich des 22. Jahrestages der friedlichen Revolution zum Gespräch in die Synagoge ein. Im Podium saßen aktive Görlitzer, unter ihnen  auch Herr Joachim Rudolph vom Aktionskreis.

Nach einer konzertanten Einstimmung, organisiert vom Messian Meeting Point, wurde die Podiumsdiskussion eröffnet. Die Gesprächsführung übernahm Herr Sebastian Beutler von der Sächsischen Zeitung.

In der Diskussion wurde das große Engagement der zahlreichen Bürger gewürdigt, die zur Attraktivität der Stadt beigetragen haben und beitragen.  Jedoch bestehen mit Blick auf die Kommunikation untereinander noch Wünsche.

In der Zukunft muss es darum gehen, die Stadt noch besser touristisch zu vermarkten und dafür auch die umliegenden Gemeinden kontinuierlicher einzubeziehen. Im gleichen Kontext geht es darum, die Zusammenarbeit mit Zgorzelec zu vertiefen.

Allgemein besteht der Wunsch, die junge Generation in diesen Prozess stärker einzubeziehen und ihr zugleich entsprechende Gestaltungsräume zu eröffnen. Junge Firmengründer - besonders aus der Computerbranche - könnten durch ihr hohes Potenzial, die Stadtentwicklung mit voranbringen und sollten dafür gewonnen werden.

Mit einer Einladung  zu einem gemeinsamen traditionellen Erbseneintopf- essen klang die Veranstaltung aus.

Gregor Antkowiak


 

 

„Briefe für Görlitz-
Erinnerung an den Umbruch“

Zwei Briefe engagierter Görlitzer Bürger an die Ministerpräsidenten Hans Modrow (1989)  und Lothar de Maiziere  (1990) wegen des maroden baulichen Zustandes von Görlitz führten letztendlich zur Entstehung des Aktionskreises für Görlitz e.V..
Mit einer Dokumentation, Veranstaltungen und einer Ausstellung will der Aktionskreis zeigen,

  1. welches die Beweggründe für die Briefe waren
  2. welches Anliegen in den Briefen vorgetragen wurde
  3. welchen Weg die Briefe genommen haben
  4. was die Briefe ausgelöst haben
  5. welche Folgeereignisse sich ergeben haben
  6. wer die Briefschreiber waren und was heute ihre persönlichen Gedanken zu den Ereignissen von damals sind

Vor allem junge Görlitzern sollen dadurch Menschen aus Görlitz, die etwas bewegt haben, kennen lernen und erleben, dass die Geschichte von 1989/1990 die Geschichte ihrer Stadt und ihrer Familien  ist.